Umsatzgrenzen für Jobsharing-Praxen in überversorgten Planungsbereichen geändert

Der Gemeinsame Bundesausschuss als oberstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland hat in seiner Bedarfsplanungsrichtlinie die Regelungen zum Jobsharing in gesperrten Planungsbereichen überarbeitet.

Was bedeutet das in der Praxis?

Vertragsärztinnen und –ärzte mit unterdurchschnittlichem Leistungsumfang im Kassenbereich, die sich ein einem gesperrten Planungsbereich im Jobsharing einen Arztsitz teilen, dürfen ihren Umsatz künftig bis zum Fachgruppendurchschnitt steigern (hierbei handelt es sich um die Höhe des durchschnittlichen Umsatzes, den ihre jeweilige Fachgruppe im vergangenen Jahr erreicht hat).

Das allein bedeutet schon einen Vorteil durch erhöhte Flexibilität. Jedoch geht die Überarbeitung noch weiter: Auch der angestellte Jobsharer darf im Gegensatz zur bisherigen Regelung die Steigerung bis zum Fachgruppendurchschnitt vornehmen. Zuvor war der Jobsharer auf die bisher abgerechneten Fallzahlen und Honorarmengen der letzten vier vorliegenden Honorarfestsetzungsbescheide des Arbeitgebers zuzüglich 3 % des Fachgruppendurchschnitts beschränkt.

Die Neuregelung sorgt für erheblich größere Bewegungsfreiheit für Praxisinhaber mit höherem Privatpatientenanteil, die über kurz oder lang über eine Veräußerung ihrer Kassenpraxis nachdenken, aber aufgrund des geringen Kassenanteils befürchten müssen, dass ihre Praxis als nicht versorgungsrelevant eingestuft wird.

Ist der Zulassungsausschuss nämlich davon überzeugt, dass die Praxis für die jeweilige fachärztliche Versorgung der gesetzlich versicherten Patienten nicht erforderlich ist, müsste die KV dem Arzt, der auf seine Zulassung verzichtet, nach § 103 Abs. 3 a SGB V eine Abfindung in Höhe des Verkehrswertes der Praxis bezahlen – oft bei weitem nicht ihrem Marktwert angemessen.

Nunmehr kann dieses Problem durch eine geschickte Vertragsgestaltung mit dem Jobsharer gelöst werden. Sprechen Sie uns gerne auf die Einzelheiten an!

Für psychotherapeutische Praxen gilt auf ausdrücklichen Wunsch des Gesetzgebers übrigens eine davon abweichende Sonderregelung: Psychotherapeuten mit unterdurchschnittlichem Leistungsumfang können ihr Praxisvolumen im Jobsharing in gesperrten Planungsregionen auch über den Fachgruppendurchschnitt hinaus ausweiten. Der Beschluss begrenzt dies jedoch auf 25 Prozent über dem Fachgruppendurchschnitt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss wird die Auswirkungen dieser Regelung 18 Monate nach ihrem Inkrafttreten evaluieren.

Der Beschluss liegt dem BMG zur Prüfung vor und tritt nach Nichtbeanstandung und Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft

Über den Author
Konstantin Weinholz

Konstantin Weinholz

Rechtsanwalt Konstantin Weinholz ist Ihr Ansprechpartner bei allen Fragestellungen des Medizinrechts, insbesondere der Arzthaftung und der beruflichen Zusammenarbeit. Ferner betreut er die Bereiche des Vertragsrechts, Immobilienrechts, Verkehrsrechts und Erbrechts.