Die Vergütung von Videosprechstunden

Die Covid-19-Pandemie hat für eine evidente Steigerung der telemedizinischen Maßnahmen gesorgt. Die Video- Sprechstunde hat in zahlreichen Praxen Einzug gehalten. Diese kann flexibel in allen Fällen genutzt werden, in denen Ärztinnen und Ärzte dies für therapeutisch sinnvoll halten.

Neben den technischen Voraussetzungen wie der erforderlichen Internet- Bandbreite, der Verbindung mit Firewall, Bildschirm mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sowie der Verwendung eines zertifizierten Videodienstanbieters (die Liste ist einsehbar unter https://www.kbv.de/html/1150_44943.php) – und der rechtlichen Voraussetzung der vor der ersten Videosprechstunde wirksam erteilten Einwilligung des Patienten – ist die Frage nach der Vergütung zu klären.

Es besteht angesichts der fortbestehenden Pandemielage die begründete Aussicht, dass die üblichen Begrenzungen der Videosprechstunden (pro Quartal maximal jeder fünfte Patient und insgesamt nur 20 % der Leistungen) auch für künftige Zeiträume aufgehoben werden. Das Thema hat also sehr wahrscheinlich auch über das dritte Quartal hinaus Relevanz oder wird sie in absehbarer Zeit wieder erhalten, da in diesem Falle unbegrenzt viele Behandlungen durch Ärzte und Psychotherapeuten per Videosprechstunde abgerechnet werden können. Auch die Limitierung der Anzahl der abgerechneten GOP auf 20 % je Vertragsarzt und Quartal ist hiervon betroffen.

Was ist abrechenbar?

Zunächst müssen bei neuen Patienten die Stammdaten erhoben werden (auch die Erstkonsultation ist über Videosprechstunde möglich, indem die Gesundheitskarte durch den Patienten in die Kamera gehalten wird, die Daten durch den Arzt oder das Praxispersonal dokumentiert werden und das Bestehen des Versicherungsschutzes durch den Patienten mündlich bestätigt wird). Dieser zusätzliche Aufwand wird mit einem neuen extrabudgetären Zuschlag nach GOP 01444 vergütet (10 Punkte), der zunächst bis zum 30. September 2021 befristet ist.

Grundsätzlich sind alle Grund- und Versichertenpauschalen abrechenbar, mit Ausnahme der GOP 03030, 04030, 12220 und 12225. Ferner die Konsiliarpauschalen außer GOP 25210 und 25211.

Erscheint der Patient in einem Quartal überhaupt nicht und findet lediglich eine Behandlung über die Videosprechstunde ab, ist dies mit der Pseudo – GOP 88220 zu kennzeichnen, jeweils mit fachgruppenspezifischen Abschlägen von 20, 25 oder 30 %.

Weitere Zuschläge finden sich in der Vergütungsübersicht der KBV (siehe obiger Link), von denen wir nur einige beispielhaft herausgreifen:

  • Zuvörderst wäre hier der Technik-Zuschlag nach GOP 01450 zu erwähnen, begrenzt auf maximal 1.899 Punkte, was ca. 170 € entspricht. Auch dieser Zuschlag ist extrabudgetär.
  • Parallel zum Zuschlag 01444 gibt es eine ebenfalls bis zum 30. September 2021 befristete Anschubfinanzierung nach GOP 01451 für bis zum 50 Videosprechstunden pro Quartal, sofern mindestens 15 Videosprechstunden durchgeführt werden.
  • (PGF-)Zuschläge für die fachärztliche Grundversorgung sowie für die Wahrnehmung des hausärztlichen Grundversorgung nach GOP 03040 und 0404.

Im Gebührenverzeichnis der GOÄ bieten sich naheliegenderweise die Ziffern 1 und 3 an, die – das gewöhnliche Maß überschreitende – Beratung mittels Fernsprecher, ebenso die Übermittlung medizinischer Dateien gemäß Ziffer 2.

Je nach Zeitraum der Tätigkeit kommen auch die Zuschläge A bis D in Betracht.

Im Falle konsiliarischer Erörterungen zwischen mindestens zwei Ärzten rückt die Ziffer 60 in den Blick.

Die telemedizinisch erteilbare AU – Bescheinigung ist nach Ziffer 70 des Gebührenverzeichnisses abrechenbar.

Für weitere Fragen stehen wir – wie immer – gern zur Verfügung.